Stanley Vraath

Lernt die Gruppe in der Taverne "Zum Schielenden Betrachter" kennen.

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Bio:

Irgendwo im Dunkel gab es ein platschendes Geräusch. Für einen kurzen Moment hielt der Sumpf den Atem an, dann war die Luft wieder vom Zirpen irgendwelcher unsichtbarer Insekten erfüllt und schummrig grün glimmende Glühwürmchen irrten durch die Nacht. Stanley starrte von seinem Krankenlager aus mit ausdruckloser Mine ins Leere. Nach seinem Schwächeanfall heute Nachmittag hatte er sich abseits von den anderen zur Ruhe begeben. Vor etwas mehr als zwei Wochen war Stanley Vraath mit fünfzig Soldaten in den Rethhild Sumpf vorgedrungen. Die Magier aus Halarahh hatten ihn beauftragt in den Sümpfen in eine uralte zerstörte Stadt vorzudringen und dort nach einem Schwert zu suchen. Beinahe täglich war ihre Schar kleiner geworden. Der größte Verlust an nur einem Tag ereignete sich vor drei Nächten, als die eine Hälfte des noch verbliebenen Dutzend versuchte auf eigene Faust in eine andere Richtung weiterzumarschieren. Natürlich nicht ohne die Kriegskasse der Söldnerkompanie mitzunehmen. Stanley hatte ihnen eine unerbittliche Verfolgung geliefert, doch letztlich war es der Sumpf selbst der die Pläne der Verräter vereitelte. Sie stolperten in der Dämmerung in eines der allgegenwärtigen Kreaturen, einen Modernden Schlurfer und verschwanden im ewig hungrigen Sumpf. Unglücklicherweise versank die Kasse mit ihnen. Stanley war bereits zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass dies das Ende der Expedition markierte und die Kompanie beim besten Willen nicht wiederaufgebaut werden konnte, egal was mit ihm und der letzten Handvoll Männer auch geschehen würde. Ebenfalls war ihm klar, dass seine Gefährten bald eine Entscheidung treffen mussten, auch wenn diesen das noch nicht bewusst war. Es dauert jedoch nicht lange. Er merkte es an den veränderten Blicken, die ihm seine Männer zuwarfen und an den zischend geflüsterten Gesprächen gerade außerhalb seiner Hörweite. Wenn dies das Ende der Kompanie war, dann waren seine Männer auch keine Soldaten mehr, sondern wieder das, was sie damals waren als er sie aufgelesen hatte. Gewöhnliche Halsabschneider. Und Stanley war auch kein Hauptmann mehr, sondern nicht mehr als ein alter Mann mit den besten Stiefeln im Umkreis von hundert Meilen. Von der Rüstung und dem Schwert ganz zu schweigen. Sein Schwächeanfall war nur vorgetäuscht gewesen. Er war nicht erledigt. Noch nicht. Doch es fehlte nicht mehr viel und er wusste, dass das Ende deutlich früher kommen würde, als bei seinen zum Teil nur halb so alten Begleitern. Er wollte das unvermeidliche daher Beschleunigen und seine Kameraden dazu ermutigen die Karten zu einem Zeitpunkt auf den Tisch zu legen, an dem seine Kräfte noch nicht gänzlich versiegt waren. Die auffallende Hilfsbereitschaft nach dem schweigsamen Marsch und die Freude frühzeitig ein Nachtlager aufzuschlagen ließen Stanley bereits das Schlimmste ahnen. Plötzlich knackte ein Ast in der Nähe und der umgebende Sumpf wurde erneut Totenstill. Stanley schreckte aus seinen Gedanken auf und sah die geduckten Schatten, die sich auf ihn zu bewegten. Für einen kurzen Moment blitze das Weiße in einem Augenpaar auf. Sein Blick verschränkte sich mit dem desjenigen, der gekommen war ihm den Gnadenstoß zu geben. Für einen Moment, der nur Sekunden währte, sich aber wie eine Ewigkeit anfühlte, starrten sie sich an. Stanley sah zunächst Überraschung, dann langsam dämmerndes begreifen. Sie hatten gehofft einen Sterbenden vorzufinden, stattdessen wartete er hier in den Schatten bereits auf sie. In voller Rüstung mit gezogenen Schwert. Nur für einen Moment flackerte Unsicherheit durch den Blick des anderen, dann wurden seine Augen hart. Der Stahl erwachte in Stanleys Hand zu Leben und das Klirren von Klingen hallte durch den Sumpf. Dann wurde es ruhig. Kurz darauf erfüllte wieder das allgegenwärtige Zirpen die Nacht.
Zurück in Halarahh waren die Magier gar nicht begeistert vom Ende der Expedition. Stanley hatte immer darauf hingewiesen, das auf dieses Gesindel kein Verlass ist. Gnädigerweise gab man mir einen bulligen Kaltblüter. Ich taufte ihn Bukephalos und ritt den langen Weg nach Mittshaar. Ein Gelehrter wartete in der Handelsstadt auf mich.
In Mittshaar angekommen machte er die Bekanntschaft von Master Luin. Dieser erklärte ihm, warum er so dringend nach Mittshaar kommen sollte.
„Und wie ihr unschwer erkennen könnt bedeutet das überraschende Ende eures Cousins Väterlicherseits im Zuge eines Badeunfalls, dass ihr nun der letzte verblieben Vraath seit“ Sagte der ergraute Gelehrte der Handelsstadt Mittshaar, während sein Finger zielsicher über ein großes Pergament fuhr, auf das er einen ausufernden Stammbaum gemalt hatte. Stanleys Blick ruhte kühl auf dem Gebilde. Die meisten Linien und Äste des weitverzweigten Baumes verloren sich an den Rändern ins Nichts, einige mächtige Äste und Nebenstämme wuchsen zunächst mit Kraft und Elan und endeten dann doch ebenso abrupt wie sie begannen. Nur eine dünne Linie zog sich ungebrochen durch, bis hin zu seinem Namen. „Herzlichen Glückwunsch zu eurem Erbe Lord Stanley!" Stanley wollte bei dem Titel Lord abwehrend die Hand heben, ließ es dann aber auf sich beruhen. Er hatte sich die Erbfolge zweimal bis ins letzte Detail erklären lassen und es gab keinen Zweifel. Er war der letzte verbliebene Vraath und damit Erbe aller Besitztümer der einstmals weitverzweigten Familie. Des Lehens, der Burg, der Ländereien und damit auch des Titels. Auch wenn er es nie angestrebt hatte, war er so tatsächlich zu Lord Stanley geworden. Doch der Name Vraath war alt und bereits halb in Vergessenheit geraten. Welchen Wert würde er heute noch haben? „Erklärt mir den Stammbaum noch einmal wenn ihr so freundlich währet.“ Der Gelehrte seufzte kurz, begann dann aber pflichtschuldig wieder von vorn. Er hörte sich gern reden und betrieb sein Handwerk mit Leidenschaft. Bei der ersten Wiederholung war er noch Feuer und Flamme gewesen, da er seine Kunst ein zweites Mal darbieten durfte. Ein drittes Mal war jedoch auch ihm ein wenig zu viel. Stanley starrte zwar aufmerksam auf die Zeichnung hörte jedoch nicht wirklich zu. Für einen kurzen Moment hatte er die Vision eines Weinfestes. Die Spätsommersonne goss goldenes Licht über die Szenerie. Blondbezopfte Bauernmädchen tanzten um einen Baum. Ihre gutgenährten Väter konnten sich gar nicht oft genug zuprosten und den Namen von Lord Stanley loben, der ihnen ein weiteres friedliches Jahr beschert hatte. Die Knechte gingen schon früh schlafen, da sie mit dem Dreschen der unfassbaren Mengen von Getreide nicht mehr hinterher kamen und Stanley war tief gerührt als ihn die Bäuerinnen einen etwas grob gearbeiteten aber nicht gänzlich kunstlosen Wandteppich mit seinem Wappen überreichten. Er schüttelte den Kopf, um die Bilder zu vertreiben. Etwas kitischig aber sicherlich ein besseres Schicksal als in einem Namenlosen Sumpf wegen seines Schwertes ermordet zu werden. Die Stammlande der Vraaths lagen in der Shaar, eine abgelegene Gegend, von hier aus viele Tagesritte in südlicher Richtung gelegen. Etwas abseits der großen Handelsstraßen aber mit fruchtbare Böden und vom Klima begünstigt.
Einige Wochen später verließ Stanley auf dem Rücken seines schweren Kaltblüters die Handelsstadt und lenkte die Hufe des Tieres Richtung Nimonshügel, wo sein Geburtsrecht und Schicksal auf ihn wartete. Was würde ein Titel aus längst vergessener Zeit heute noch Wert sein?….

Stanley Vraath

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